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Rubrik: Medienmitteilungen

Interview mit Herbert Imbach, Gemeindepräsident, Vitznau

Was ist das Ziel Ihrer Reise nach China?

Herbert Imbach: Täglich sehen wir die zahlreichen chinesischen Touristen in Vitznau. Aber ich muss zugeben, ich selber weiss wenig über dieses riesige Land und seine Bewohnerinnen und Bewohner. Ich bin der Überzeugung, dass persönliche Kontakte und das gegenseitige Verständnis für eine gemeinsame erfolgreiche Zukunft hilfreich sind. Wenn wir die Chinesen besser verstehen und die Chinesen uns, dann wird es weniger Missverständnisse und Konflikte geben. Genau betrachtet, haben wir alle ganz ähnliche Bedürfnisse – wie wir schätzen auch die Chinesen die fantastische Natur in der Schweiz, die Zuverlässigkeit, die Sauberkeit und die frische Luft. Und wenn wir nach China reisen, suchen wir zusätzlich wohl ein wenig den "boost", das hektische Treiben auf der Strasse und in den Märkten, wir staunen über das vielfältige und feine Essen, und wir suchen das Abenteuer an Orten, wo nur Chinesisch gesprochen wird.

Die Zunahme der Gruppenreisen hat aber auch Schattenseiten.

Herbert Imbach: Ausgelöst durch die örtliche und zeitliche Konzentration der Tourismusströme sind Kapazitätsengpässe und damit verbundene Akzeptanzprobleme auch in der Vitznauer Bevölkerung die Folge. Zudem profitieren relativ wenige Betriebe direkt vom Gruppentourismus. So entfallen gemäss Angaben des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) von den 224 Millionen Franken, die zum Beispiel jährlich am Schwanenplatz erwirtschaftet werden, 196 Millionen auf den Detailhandel mit Uhren und Schmuck. Demgegenüber wird von der Gastronomie nur eine Million Franken erarbeitet. Das erleben wir auch in Vitznau, wo natürlich vor allem die Rigibahn von den Gruppentouristen profitiert.

Wie kann die Tourismusindustrie mit solchen Herausforderungen umgehen?

Herbert Imbach: Eine Möglichkeit wäre, in Asien gezielt Personen anzusprechen, die allein oder in kleinen Gruppen reisen möchten – angenommen, dass sich Individualreisende weniger an fixe Vorgaben eines Veranstalters halten, länger an einem Ort bleiben und sich für ein Sightseeing abseits der bekannten touristischen Attraktionen interessieren. Ich gehe auch davon aus, dass, insbesondere aufgrund der Klimaentwicklung, Flugreisen und Transporte wieder teurer werden und man auch deshalb länger an einem Ort verweilen wird – schlussendlich haben alle mehr davon.

Werden Sie dem Bürgermeister von Leshan auch ein Geschenk übergeben?

Herbert Imbach: Ja, ich werde ihm eine Kostprobe unseres herrlichen Quellwassers sowie Vitznauer Honig übergeben. Die Fülle von wilden Bienen und der daraus gewonnene Honig beweisen, dass wir einen guten Boden und gesundes Wasser haben, und sind somit Symbole für unsere gesunde Umwelt, die wir pflegen und erhalten wollen.

Haben Sie sich speziell auf Ihre Reise vorbereitet?

Herbert Imbach: Ich glaube, auf eine Reise nach China kann man sich nicht vorbereiten. Das Land ist riesig, die kulturellen Errungenschaften enorm und unsere Vorurteile sowie die politischen und gesellschaftlichen Gegensätze und Widersprüche immens. „Es gibt nicht ein China, China ist der Name für ein Universum, das Myriaden von Parallelwelten beherbergt“, schreibt Kai Strittmatter in seiner „Gebrauchsanweisung für China“. Immerhin habe ich eine Gemeinsamkeit mit Vitznau schon gefunden: Während man bei uns mit den Namen Zimmermann, Waldis oder Küttel meistens richtig liegt, grüsst man in China mit Li, Wang oder Zhang in fast 90 Prozent der Fälle korrekt. Den Familiennamen stellen Chinesen grundsätzlich vor den Vornamen und tun es damit den Schwingern gleich, wo der Stucki Chrigu den Wicki Joel ins Sägemehl drückt.

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