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Rückblick zum Rücktritt von Noldi Küttel, Gemeindepräsident, Vitznau

Stabsübergabe im Gemeinderat Vitznau

Heute um Mitternacht: Nach 10 Jahren als Gemeindepräsident von Vitznau verabschiedet sich Noldi Küttel von der politischen Bühne.

Noldi und der Abschied. Am 21. August 2018 fand die letzte Gemeinderatssitzung unter der Leitung von Noldi Küttel statt. Und exakt heute ist der letzte Tag seiner 10jährigen Amtszeit als Gemeindepräsident von Vitznau. Zeit, um Bilanz zu ziehen und sein Engagement für unser Bergdorf am See zu würdigen. In seinem Rücktrittsschreiben hielt Noldi Küttel u.a. fest: "Im Vorwort zum Budget 2018 habe ich geschrieben, dass für mich das Motto "Gestalten statt Verwalten" im Vordergrund steht. Aber wenn man nun dauernd bei den verschiedenen Gestaltungsschritten ausgebremst wird, ist es besser, neuen Kräften eine Chance zu geben, die ihre Visionen verwirklichen oder umsetzen können."

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Als Gemeindepräsident war er nicht nur für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Als Primus inter Pares (gleichgestellt mit seinen Ratskolleginnen und -kollegen) befasste er sich auch mit Themen der anderen Ressortverantwortlichen. Nachstehend auszugsweise ein paar Blitzlichter über sein Wirken und Schaffen, ohne damit Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.

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Noldi und die homöopathische Politik. Noldi Küttel versuchte, seine Fühler am Puls der Gesellschaft anzusetzen und eine gemeindeverträgliche Politik zu verfolgen. Er wollte auch stets für alle Bewohner des Dorfs ein verständnisvoller Ansprechpartner sein. Nach zehn Jahren an der Gemeindefront liegt es nahe, etwas Dünnhäutiger zu werden. Themen wie die Seerose, der Verein MuTh oder die angestrebte Gemeindeentwicklung mit verschiedenen Investoren haben ihn oft stark beschäftigt. Wohlstand schaffen oder verwalten? Im Vordergrund stand für Noldi Küttel stets das Gemeinwohl. Diskussionen über Wertvorstellungen (wie viel ist genug) häuften sich in den letzten Jahren. Das zeigte sich auch bei der Auswertung der Bevölkerungsbefragung im Jahr 2015. Je nach Standpunkt und aktueller Befindlichkeit hielten Teile der Bevölkerung mit persönlicher Kritik an der Gemeindebehörde nicht zurück.

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Noldi und die Herausforderungen. Das Amt als Gemeindepräsident ist in der Tat eine Herausforderung. Gefragt sind Führungspersonen, Kommunikatoren und Seelentröster in einem. Die Rolle des Gemeindepräsidenten hat sich in den letzten zehn Jahren gewandelt. Die Arbeit ist durch die zunehmende Anzahl an Gesetzen und Vorschriften komplexer geworden. Ebenfalls verändert hat sich die Gesellschaft und mit ihr die Ansprüche an die Behörden. Es herrscht eine hohe Anspruchshaltung gegenüber dem Gemeinwesen. Oftmals interessieren sich die Leute vor allem dann für die Gemeindepolitik, wenn es sie persönlich betrifft. Nicht nur in der Bundespolitik, auch auf lokaler Ebene herrscht vielerorts ein rauer Umgangston.

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Noldi und das soziale Netz. Das soziale Netz von Noldi ist breit gefächert. Nicht nur, weil er ein «Aborigines» ist, sondern weil es ihm auch gelingt, immer die Nase vorn zu haben und neue Kontakte zu knüpfen. Er ist sozusagen ein «Meister der Vernetzung». Seine innovativen Projekte im «Mätzli» tragen zu Bewunderung, Erfolg und Anziehung bei. Oft pflegt er auf die Frage wie bekannt er sei zu sagen: "Die Jungen kennen mich von der Schulbank und die Pensionierten sind auf meinem Rebberg." Als weltoffener Mensch kennt er keine Berührungsängste und geht interessiert auf Neuzuzüger und Unbekannte zu.

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Noldi und die Finanzwelt. Ihm liegt die grundsätzliche Neugier für allerlei Philosophisches. Und bei den Philosophen gibt es ja die ganz wichtige Gruppe der Konsequenzialisten, unter diesen werden häufig die Utilateristen als wichtigste philosophische Richtung genannt. Sie beurteilen die Qualität von Taten einzig und allein nach dem Ergebnis bzw. der den Entscheidungen folgenden Konsequenzen. Ist das Ergebnis schlecht, hat man falsch gehandelt, ist das Ergebnis gut, dann ist auch die Tat mehr als in Ordnung. Bei seinem Amtsantritt lag der Steuerfuss bei 1.85 anstelle der heutigen 1.40 Einheiten. Und die Steuererträge lagen bei rund 3 Millionen Franken, heute ist es bei einem um 25 % tieferen Steuersatz fast das Doppelte. Als konsequenter Konsequenzialist mit Finanzkenntnissen kann man somit zu keinem anderen Schluss kommen: Es muss sich bei diesem Mann entweder um ein absolutes Unternehmer-Supertalent und/oder ein absolutes Glückskind handeln. Natürlich würde sich wohl jeder eher davor hüten, Noldi mit der Zusammenstellung von Finanzzahlen und Finanzdetails zu beauftragen. Wäre die Gemeinde Vitznau an der Börse kotiert, der Wert der Aktie hätte sich während Noldi’s Amtszeit um ein Vielfaches vermehrt. CEO’s, die solche Wertsteigerungen «zu verantworten» haben, werden in der Regel nach ihrem Rücktritt in höchste VR-Gremien gewählt. In der Politik wäre da eigentlich nur eine Analogie angemessen: „Arnold Küttel nach Bern“, würde es heissen, wäre die Politik so konsequenzialistisch wie die Wirtschaft. Allerdings würden wir Noldi ein ruhigeres Fahrwasser natürlich gönnen. Verzichten wir halt also auf den hohen Unterhaltungswert, der mit Noldi in öffentlichen Chargen natürlich jederzeit und überall gegeben wäre.

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Noldi und die Ratssitzungen. Wir gestehen, die vielen Sitzungen waren nicht immer einfach. Es gab unglaubliche Diskussionen, mal wurde es laut, mal hat Noldi auch energisch auf den Tisch gehauen. Wir haben einander die Meinung kund getan oder den Kopf geschüttelt.  Dennoch verliefen die Sitzungen mit dem erforderlichen, gegenseitigen Respekt. Während seiner Amtszeit waren fünf Demissionen im Gemeinderat zu verzeichnen. Noldi ist sehr oft gegen den Strom geschwommen, aber genau das hat ihn ausgemacht. Er hat oft zum Denken angeregt und gelehrt, Dinge auch von einer anderen Sichtweise zu betrachten. Den Mut haben, seine Meinung zu äussern, auch wenn diese völlig dem widerspricht was vielleicht andere denken. Die Lockerheit wurde ihm manchmal zum Verhängnis, wenn er vor versammelter Gemeinde stand. Er verstand es aber mit einer Leichtigkeit, die Leute mit seinem Humor zum Lachen oder Schmunzeln zu bringen.

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Noldi und die B(r)auerei: Vor 10 Jahren nochwar vor allem die darbende Bautätigkeit mit ein paar wenigen Baugesuchen pro Jahr Tatsache. Unter anderem auch mit dem Ausführen des Gestaltungsplans Huse hat dann eine grosse Wende eingesetzt. Die Infrastrukturen Trinkwasserversorgung ins Baugebiet Huse und die Sanierung der Wilenstrasse galt es als erstes anzupacken. Bedingt durch Hangrutschungen in der Huse gelangte der eigentliche Baustart zwar ins Stocken. Weitere Meilensteine wurden auch mit der Wohnüberbauung auf dem Depot der Rigi Bahnen AG und im Unteraltdorf auf der gemeindeeigenen Parzelle gesetzt. Mit der Handänderung beim Park Hotel wurde eine neue, mitentscheidende Ära eingeläutet. Als Gemeindepräsident erachtete Noldi (zusammen mit seinen Ratskollegen und –kolleginnen) es als eine wichtige Aufgabe, gute Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Innovationsprojekte Fuss fassen können. Er stand stets für die Gemeindeentwicklung ein, nicht zuletzt weil damit Arbeitsplätze geschaffen werden. Zeitgenössisches Sponsoring in Gesellschaft, Kultur und Sport ist man sich gewöhnt. Die Donation auf der Stufe Gemeinde war auch für ihn etwas gewöhnungsbedürftig. Er ist aber nach wie vor davon überzeugt, dass Vitznau damit zum richtigen Zeitpunkt den erforderlichen Entwicklungsschub erhalten hat. „Nichts ist so beständig wie der Wandel“ oder „Stillstand ist Rückschritt“ pflegte er oft zu sagen. Ideen entwickeln, prüfen, planen, überarbeiten, anpassen, bewilligen und ausführen oder fallen lassen decken fast das ganze Bauspektrum ab. Oft kommt es anders als gewünscht. Die innovative Idee einer Brauerei im geplanten Neubau beim Hotel Schiff versucht er sich (zusammen mit Kollegen als Übergangslösung) zu eigen zu machen. Kurzerhand tauscht er nun ab und zu die Rollen und schafft sich empor vom Bauer zum Brauer, ohne aber den Rebberg vernachlässigen zu wollen.

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Noldi und sein künftiger Status als Privatperson. Heute Freitag, 31. August 2018 bzw. am 1. September 2018 übergibt nun Noldi Küttel das Amt seinem Nachfolger Herbert Imbach. Noldi Küttel wäre nicht sich selbst, wenn er nun die Hände in den Schoss legen würde. In seinem Rücktrittsschreiben führte er denn auch abschliessend aus, dass sein Herz nach wie vor für unsere Wohngemeinde schlage, und er auch weiterhin aktiv am Puls der politischen Entwicklung der Heimatregion Vitznau-Rigi bleiben werde. Als politischer Frühpensionär wird er das Gemeindegeschehen an der Seitenlinie somit weiterhin mitverfolgen, ohne dafür die Verantwortung tragen oder schlaflose Nächte verbringen zu müssen. Noldi Küttel wird für sein langjähriges Engagement an der Spitze der Gemeindebehörde nochmals ganz herzlich gedankt.

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Die offizielle Verabschiedung wird der Gemeinderat an der Gemeindeversammlung vom 10. Dezember 2018 vornehmen.

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