4.1 Rigibahn

Der Bau der Rigibahn entwickelte nicht nur Vitznau vom Fischerdorf zum Kurort, sondern brachte einen Aufschwung des Fremdenverkehrs in der Schweiz, besonders in Luzern und auf dem Vierwaldstättersee, sowie die Erschliessung der Berge durch Bahnen. Einen grossen Verdienst am raschen Aufschwung des Tourismus hatte Niklaus Riggenbach (1817–1899), seit 1853 Chef der Maschinenwerkstätte der Schweizerischen Centralbahn in Olten. 1863 liess er sein Zahnradbahnsystem in Frankreich patentieren: In der Mitte des Normalspurgleises befindet sich eine Zahnstange, in welche die Zahnräder der Lokomotive von oben her eingreifen. Dieses System bildete die Grundlage für die Verwirklichung des Rigibahnprojekts. Vitznau wurde als Ausgangspunkt der Bahn gewählt, da das Gebiet des Vierwaldstättersees das am häufigsten besuchte Touristenziel war, die Lage am Südhang der Rigi ein mildes Klima und eine schöne Aussicht auf See und Berge gewährte und günstigen Bauverhältnisse bestanden: Harte Nagelfluhschichtungen, die in regelmässiger Neigung von durchschnittlich 20 % auf Vitznau zulaufen, garantierten eine sichere Bahnführung.

1869

Am 9. Juni erteilte der Grosse Rat des Kantons Luzern (später auch der National- und Ständerat) den Ingenieuren Riggenbach, Naeff und Zschokke die Konzession für den Bau und Betrieb einer Bahn von Vitznau bis an die Kantonsgrenze gegen Rigi-Staffel. Die Konzession galt für 99 Jahre (mit Erneuerungsmöglichkeit). Sie verpflichtete dazu, während der Saison täglich mind. einen Zug in jede Richtung zu führen und beim Felsentor die Haltestelle Romiti für die Gemeinde Weggis zu errichten. Der Pächter auf der Endstation Staffelhöhe hatte 12 Pferde zu halten, um die Gäste nach Kulm zu befördern. In den Konzessionsakten wurden auch die Preise festgesetzt: Bergfahrt bis Kaltbad: Fr. 5.00, Talfahrt Fr. 2.50.

Die „Erste allgemeine Sitzung der Gründer der Rigibahngesellschaft“ tagte im August in Olten. Sie setzte das Aktienkapital auf 1,25 Mio. Franken fest, das schon am Ausgabetag weit überzeichnet wurde. Nach dem Bauvertrag vom 11. September begannen die Landankäufe sowie die Bauarbeiten mit ca. 600 Mann, die z.T. nachts und an Sonntagen arbeiteten. Der Landungssteg der Schiffe wurde von der Pension Pfyffer zur Bahnstation verlegt.

1870

Der deutsch-französische Krieg brachte Verzögerungen: 5’000 Meter Schienen und Wagenmaterial blieben in Paris blockiert.

1871

Am 21. Mai, Riggenbachs Geburstag, fand die feierliche Eröffnung der Rigibahn statt. 70 geladene Gäste waren anwesend, darunter vier Bundesräte und die Luzerner Regierung. Riggenbach selbst führte die Maschine des Festzugs. Die ältesten drei Maschinen trugen die Namen „Basel“, „Bern“ und „Luzern“ womit man diesen Orten für die Unterstützung des Unternehmens dankte. Die Kosten für den Bahnbau einschliesslich aller Bauten betrugen 1,3 Mio. Franken.

1873

Bildung der „Internationalen Gesellschaft für Bergbahnen“ mit einem Aktienkapital von 25 Mio. Franken, den Direktoren Riggenbach und Zschokke und Sitz in Aarau. Sie baute später die Arth-Rigi-Bahn und die Rigi-Kaltbad-Scheidegg-Bahn.

Am 3. Juli konnte die Vitznau-Rigi-Bahn den Betrieb auf der gepachteten Strecke bis nach Kulm aufnehmen, musste aber 50 % der Bruttoeinnahmen auf dieser Strecke als Pachtgebühr abgeben.

1875

Die Rigibahn florierte von Anfang an. Es wurden mehr als 107'000 Fahrgäste transportiert, die Zahl der Angestellten stieg von 48 Personen im Jahr 1871 auf 111 Personen im Jahr 1875. Doch bald gab es Konkurrenz von der anderen Rigiseite her: Die Arth-Rigi-Bahn eröffnete am 4. Juni ihren Betrieb.

1882 – 1892

Umbau der Dampfloks: Die stehenden Kessel werden durch liegende ersetzt, um eine bessere Lastenverteilung und einen ruhigeren Gang der Loks zu erreichen.

1937

Am 3. Oktober wurde die Anlage elektrifiziert. Dafür baute die Bahn drei Gleichrichterstationen: Romiti (1937), Vitznau (1955) und Staffelhöhe (1968).

1957 / 1958

Bau der neuen Schnurtobelbrücke: Die 80 m lange Brücke aus Vorspannbeton ruht auf einem Pfeiler und ersetzt die alte Eisenbrücke.

1967

Beim Bau des neuen Stationsgebäudes in Vitznau verschwand der Niveauübergang über die Kantonsstrasse.

1968

Die Rigibahnen erhielten Konkurrenz durch die Luftseilbahn Weggis-Rigi-Kaltbad, an der die Rigibahn-Gesellschaft finanziell beteiligt ist.

1987 – 1991

Neubau des Rigi-Bahn-Depots in zwei Etappe und Einweihung.

1992

Fusion der Vitznau-Rigi-Bahn (mit Luftseilbahn Weggis-Rigi Kaltbad) und der Arth-Rigi-Bahn zur Rigi-Bahnen AG mit Sitz in Goldau.

1996

Anlässlich der 125-Jahr-Feier Fahrten mit der Lok 7 (1873).

1999

Die Rigi-Bahnen erfinden eine neue Zahnstangenweiche. Das Patent wird weltweit angemeldet. Der Prototyp ist auf der Haltestelle Rigi-First (Strecke Goldau - Rigi) eingebaut.

2009

Die historische Dampflok No. 7 (Baujahr 1873) fährt bis Ende September zum 50-Jahr-Jubiläum des Verkehrshauses der Schweiz auf ihrer einstigen Rigi-Stammstrecke.

2010

Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember anerkennen die RIGI BAHNEN AG auf ihren Strecken das schweizerische Generalabonnement (GA) und dessen Zusatzangebote Swisspass, Tageskarten etc.

2012

1. Juli: Eröffnung des Mineralbad & Spa auf Rigi Kaltbad. Star-Architekt Mario Botta hat der Anlage ihren unverkennbaren Stil und Charakter verliehen.

2014

12. Mai: Spatenstich des neuen Stationsgebäudes auf Rigi Kaltbad.

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