5.3 Sagen

Wie in anderen Berggebieten existieren auch in Vitznau Sagen von Erdmanndli. Dabei handelt es sich um überlieferte Erzählungen, die über kleine Bergleute berichten. Diese besassen manche Fertigkeiten, waren der Bevölkerung wohl gesinnt und halfen ihnen in der Not. Aber sie ertrugen keinen Spott, sonst rächten sie sich an den Menschen.

Eine der Sagen erzählt von den Erdmanndli in der Gruebisbalm: Im Husenboden stand eine kleine Hütte, in der der Fischer Roni mit seiner Frau und zwei Kindern lebte. Weil er zuviel trank, war die Familie arm und hatte oft zu wenig zu essen. Als die Not wieder einmal gross war, weinten die zwei hungrigen Mädchen am Wilenbach. Plötzlich hörten sie ein lautes Plätschern und der ganze Bach war gefüllt mit Birnen, Äpfeln und Nüssen. Die Kinder füllten ihre Schürzen und brachten alles nach Hause. Kurze Zeit später ertrank der Vater beim Fischen. Auch da halfen sie Erdmanndli: Ein kleines Männchen namens Melek übernahm das Fischen. Das weckte den Neid der Nachbarn, weshalb Melek nicht mehr erschien. Zuvor hatte er jedoch die Mädchen zu einem Besuch in der Höhle Gruebisbalm eingeladen. Bei ihrem Besuch stellte er den Kindern seine grosse Familie vor, erzählte von den Arbeiten, die sie verrichteten, und schenkte ihnen zum Abschied einen Korb mit einem schweren Stein. Jedes Mal, wenn ihre Mutter in Not sei, soll sie ein Stück vom Stein abschlagen und dieses einem Goldschmied in Luzern bringen. Da sich das Stück unterwegs in Gold verwandelte, geriet die Familie nie mehr in Not.

Eine andere Sage erzählt wie die Erdmanndli einer schwangeren Frau halfen. Sie holten eine Hebamme im Tal und bezahlten diese, da die junge Mutter arm war. Als Bezahlung erhielt die Hebamme eine Schürze voll glänzender Kohle mit dem Hinweis, diese zuhause ins Feuer zu legen. Die Hebamme dachte nicht daran, dem Rat zu folgen, stattdessen zerstreute sie auf dem Heimweg die zusätzliche Last. Nur ein Stück Kohle blieb im Sack der Schürze liegen. Als die Hebamme es zuhause ins Feuer legte, hatte sich am anderen Morgen daraus ein glänzender Goldklumpen gebildet.

In den Geschichten zu den Erdmanndli wird auch berichtet, dass diese dem Neid der Bevölkerung auf zwei Weisen begegneten: Entweder warfen sie Steine auf die undankbare Bevölkerung oder liessen das Wasser ansteigen. Damit erklärte man sich vor geraumer Zeit, wie es in dieser Gegend zu Steinschlägen oder Überschwemmungen kam. Während die kleinen Bergleute als Verursacher der Naturkatastrophen galten, wurden diese jeweils durch einen Drachen angekündigt. Das Zuhause der Drachen waren ebenfalls die Höhlen der Rigi, von wo die Drachen bei Sonnenuntergang den Himmel bis zum Pilatus rot einfärbten. Dem Vertreiben eines solchen Drachens folgte, laut dem ehemaligen Luzerner Stadtschreiber Renwart Cysat, die Zerstörung des ganzen Dorfes.

 

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